theater trifft

ersters freies theaterfestival

heart„Das ungesehene Theaterstück ist für den Österreicher unvergleichlich interessanter, aufregender und diskussionswürdiger als das Gesehene“ schreibt Heinrich Steinfest in Gebrauchsanweisung für Österreich. Demnach haben die Österreicher, die Tiroler, die Innsbrucker in den nächsten Wochen viel zu diskutieren. Aber ich hoffe doch sehr, dass sie auch viel anschauen werden.

Mit wiederum 9 Premieren kann das zweite Festival theater trifft vom 22. Oktober bis Ende Dezember in Innsbruck aufwarten.

Das zeugt von der prächtigen Entwicklung der heimischen freien Theaterszene. Sechs Theater von 2008 sind wieder dabei und drei haben sich neu dazu gesellt.

Drei weitere Theater die 2008 noch dabei waren, pausieren heuer: das coop.fem.art–theater von Margit Drexel, das theater projekt 07 unter Philipp Rudig und das Kulturgasthaus Bierstindl. Letzteres wird wohl nie mehr professionelles Theater machen, schließt es doch mit Ende des Jahres seine Pforten. Eines der ganz neu gegründeten Theater wiederum – nämlich das Theater Ein Ensemble – wird gerade dort die letzte Theaterproduktion im Rahmen von theater trifft zeigen, bevor für das altgediente Kulturgasthaus der letzte Vorhang fällt.

Wer sind die zwei anderen „Neuen“? Beides eigentlich „Alte Hasen“. Zum einen das Theater to act unter der Leitung von Schauspielerin Katharina Welser, das damit eine langjährige Produktionspause beendet und zum anderen Das Labor, das sozusagen wieder „nach Hause“ gefunden hat. Nicht zuletzt ist LABOR-mastermind Andreas Pronegg ja auch Gründungsmitglied der Theatergruppe Pandora, die in den 90iger Jahren die Innsbrucker Theaterszene aufgewirbelt & bereichert hat!

Mit dem Staatstheater, dem Theater Melone, dem Theater praesent, dem Verein Frontzement (welcher das Theater diemonopol bespielt), dem Westbahntheater und dem Kellertheater sind sechs Flaggschiffe der heimischen Theaterszene wieder am Werk. Sie bringen wunderbare KünstlerInnen wieder oder zum ersten Mal nach Innsbruck. Auch Auftragswerke – wie schon 2008 – wurden wieder vergeben. Insgesamt werden auch heuer um die 80 KünstlerInnen präsent sein.

Eine besondere & äußerst sinnvolle Kooperation konnte heuer mit dem Tiroler Landestheater und Assistej Austria beschlossen werden. Ein Symposium zum Thema „Modernes Theater für junges Publikum“. Es war ein lang gehegter Wunsch des Festivals, auch professionelles Theater für die Kleinen und Allerkleinsten anzubieten. Ich danke hier stellvertretend Doris Happl (Tiroler Landestheater) und Stephan Rabl (dschungel wien).

Ganz besonders möchte ich der diesjährigen Jury danken!

heartWalter Sachers, Schauspieler am Tiroler Landestheater und Gründer der Schauspielschule Sachers kennt die freie Theaterszene Tirols wie kaum ein anderer. Viele der heuer bei theater trifft Mitwirkenden gingen durch „seine“ Schule.
Aus der Perspektive von Außen wiederum betrachtete Regisseurin Barbara Weber, die Leiterin des Theater am Neumarkt in Zürich (zusammen mit Rafael Sanchez), die Innsbrucker Produktionen. Eine große Freude, sie kennen gelernt zu haben und mit ihr in der Jury zu arbeiten.

Ehrlich erschrocken zeigte sie sich über die Budgetsituationen der heimischen freien Szene. „Mit dem Budget aller 9 Produktionen würde bei uns nicht eine einzige möglich sein!“ - das war der Einstand. Dann ging es den ganzen Tag ums Theater und die Literatur.
Für kurze Zeit – so gegen 18:00 Uhr – verschwand sie. „Die Minichmayr ist immer so schön nervös vor dem Auftritt, da muß ich als Intendantin kurz vorbeischauen“, und schon war sie entfleucht. Um bald darauf wiederzukommen. Die Minichmayr brillierte dann – nach herzlicher Beruhigung durch Intendantinnenhände und Intendantinnenworte – in der Kusej-Inszenierung „Das Interview“ und wir berieten weiter über 9 Innsbrucker freie Theater und ihre Schwierigkeiten.

Zusätzlich zu diesen 9 Stücken können wir noch drei Theater mit ihren Produktionen während des Festivals erleben: Das Théatre Courage, das Gastro Theater und die Schauspielschule Sachers.
Man sieht, man spürt eine bunte, vielseitige professionelle Szene!

Die freie Theaterszene ist der Beginn. Für die meisten. Kaum einer beginnt gleich am Burgtheater. Vielmehr haben die Karrieren in Telfs bei den Volksschauspielen begonnen, oder in der Breinösl-Bühne. Im Kellertheater oder in der Schauspielschule Sachers. Die Liste ließe sich noch einige Seiten lang fortführen.
Und die freie Szene läßt sich nicht ohne weiteres abschütteln. Einer, der sogar nicht einmal in eine Schauspielschule aufgenommen wurde, der sich in einem freien Wiener Theater zu einem der ganz Großen entwickelt hat, ist Karl Markovics. Mit theater trifft in feinem Kontakt schrieb er mir: „Ich stamme selbst aus der Freien Szene. Genau genommen gehöre ich ihr immer noch an. Ich war nie etwas anderes, als ein freier Schauspieler. Die Freie Szene ist Ausdruck des Ursprungs und Wesens des Theaters an sich. Im Besten Fall ohne Institutionen oder Traditionen, außer der Institution und Tradition des eigenen selbst“. Dem ist nichts hinzuzufügen.    

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